GRUSSWORT

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
circa jedes zehnte Baby kommt in Deutschland zu früh zur Welt! Diese Zahl gilt mehr oder weniger unverändert seit mindestens zehn Jahren, Deutschland weist damit eine der höchsten Frühgeburtenraten in Europa auf. Kritisch gesehen hat sich somit trotz aller Fortschritte in der Medizin nicht viel geändert. Das mag an mehreren (auch iatrogenen) Faktoren liegen, die einer kritischen Betrachtung bedürfen
Zwar sind die Überlebenschancen von „Frühchen“ dank neonataler Intensivmedizin in den letzten Jahren deutlich gestiegen; selbst Kinder, die als extrem Frühgeborene oder mit weniger als 1000 Gramm auf die Welt kommen, überleben zu einem großen Anteil, wenn sie in gut ausgestatteten Perinatalzentren betreut werden. Dennoch treten bei diesen ehemaligen Hochrisikokindern häufig Entwicklungsverzögerungen auf, die sich meist in Übergangssituationen – beim Übergang von häuslicher Betreuung in Kinderkrippe oder Kindergarten, vom Kindergarten in die Schule – manifestieren, was – neben der Frühgeburtlichkeit an sich – die Familien weiter belastet.
Gesundheitspolitische Maßnahmen zielten bislang erfolgreich auf die Verbesserung der neonatologischen Versorgung und mithin der Überlebenschancen der Frühgeborenen, jedoch noch deutlich zu wenig auf die Senkung der Häufigkeit von Frühgeburten, d.h. die pränatale und peripartale geburtshilfliche Versorgung der Schwangeren.
Das Wissen um diese Belange und die Situation in Schwangerschaft, peripartal und neonatal fordert alle beteiligten Berufsgruppen! Der sicherste Weg für Prävention, Behandlung und Nachsorge unserer Patientinnen und deren Kindern führt ausschließlich über die Anwendung evidenzbasierter interdisziplinärer Leitlinien, dies gilt insbesondere für die Betreuung von Schwangeren mit Frühgeburtsbestrebungen. Daher freuen wir uns, dass es wieder gelungen ist, den Rahmen dieser Veranstaltung an die neue Leitlinie zum Thema „Frühgeburt“ anlehnen zu können. Im interdisziplinären Ansatz bearbeiten wir wichtige Aspekte und setzen uns zum Ziel, Ihnen evidenzbasiertes Wissen zu vermitteln, in der Hoffnung, dass Sie dieses Wissen nach diesen Tagen unmittelbar in Ihrem Wirkungsbereich umsetzen können.
Wir freuen uns zudem, die erste deutschsprachige Veranstaltung zu sein, auf der die in Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen mit Patientenvertretern erarbeiteten „European Standards of Care for Newborn Health“ vorstellen werden.
Laden Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen ein und kommen Sie nach Berlin. Wir freuen uns, Sie „im interdisziplinären Team“ begrüßen zu dürfen und neben den Eindrücken der beginnenden Weihnachtszeit in der Metropole Berlin auch Ihr Interesse am Dialog mit ausgewiesenen Expertenkreis wecken zu können.
Ihre
Priv.-Doz. Dr. med. Dietmar Schlembach
Chefarzt, Klinik für Geburtsmedizin, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin
Prof. Dr. med. Rainer Rossi
Chefarzt, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin
Dr. med. Christoph Hertzberg
Chefarzt, Zentrum für Sozialpädiatrie und Neuropädiatrie, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin